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Der Holocaust in Skopje

Verantwortlicher Autor: Helge Lindau Skopje / MK, 22.07.2019, 16:25 Uhr
Presse-Ressort von: Helge Lindau Bericht 6429x gelesen
Sadikario Direktor
Sadikario Direktor  Bild: Helge Lindau

Skopje / MK [ENA] Vielen Menschen sind die Verbrechen der Nazis bekannt. Sofort tauchen Schlagworte wie Warschauer Getto, Kristallnacht oder Judenvernichtung aus der Erinnerung auf. Doch kaum jemand weiß, dass auch im weit entfernten Skopje, der heutigen Hauptstadt Nordmazedoniens, der Holocaust ebenfalls wütete.

Mitten in der neu errichten Innenstadt von Skopje, befindet sich das Holocaust Gedenkzentrum für die Juden in Mazedonien. Hier ist auch eine beeindruckende Ausstellung über die Geschichte der Juden im südlichen Balkanraum zu sehen, die von der späten Antike, bis zum Holocaust reicht. Vor dem Krieg war die jüdische Gemeinde ein fester und integrierter Bestandteil der Stadt. Die Gemeinde zählte 7230 Menschen. Das Zusammenleben der Juden mit den anderen Menschen in der Stadt, fand am 11. März 1943 jedoch ein gewaltsames Ende.

Eine Handvoll deutscher SS-Offiziere und die bulgarische Besatzungsmacht, bestehend aus Polizisten und Soldaten, trieben an diesem Tag die jüdische Bevölkerung aus ihren Häusern, in die, als Konzentrationslager hergerichtete alte Tabakfabrik, namens Monopol. Es galt an diesem Tag eine Ausgangssperre. Nicht nur für die Juden, sondern auch für sämtliche Bewohner der Stadt, die in direkter Nachbarschaft zu den Juden wohnten. Über 7000 jüdische Frauen, Kinder, Männer und Greise wurden aus ihren Wohnungen gezerrt und im Monopol auf engstem Raum, ohne sanitäre Anlagen oder einer Wasserversorgung eingepfercht. Der Anfang eines Leidensweges, den die meisten der nun Internierten vor Augen hatten.

Einer der Internierten war der damals gerade 5 jährige Ichak Adizes. Trotz seiner jungen Jahre erinnert er sich noch genau an das, was sich damals vor seinen Augen abspielte. Er bekam mit, was geschah, als schon nach elf Tagen der Internierung, die ersten Deportationen nach Treblinka begannen. „Ich habe sie von diesem Fenster aus gesehen.“, sagt Ichak Adizes, als dieser nach 50 Jahren wieder nach Skopje kam und deutet auf ein Fenster. „Ich erinnere mich an ihre Schreie. Es war grauenhaft.“ Von den 7230 Internierten, war er einer der knapp 200 Menschen, die den Holocaust in Mazedonien überlebten. 7144 Juden wurden mit drei Zügen nach Treblinka deportiert und dort nach der Ankunft vergast.

Dafür, dass diese Verbrechen niemals in Vergessenheit geraten, sorgt unter anderen auch der 46 jährige Goran Sadikario (Bild oben). Sadikario ist Direktor des Holocaust Gedenkzentrum in Skopje. Seine Aufgabe und seine Berufung besteht darin, die Sammlung zur Geschichte der Juden in und um Mazedonien zu erweitern. Großen Augenmerk legt er auch darauf, auf Seminaren und Workshops, Pädagogen Wissen darüber zu vermitteln, wie man Jugendlichen die Schrecken des Holocaust und die Gefahren des Antisemitismus näher bringen kann.

„Auch haben wir vor, in der nächsten Zeit, eine Ausstellung zum Thema Holocaust zu gestalten, die speziell für Kinder unter 14 gemacht ist.“, erklärt Sadikario, „Doch noch sammeln wir das Geld dafür und arbeiten ein passendes Konzept aus.“ Dass das Museum aber nun sogar für den ‚European Museum Academy Award‘ nominiert wurde, zeigt dem Direktor und seinen Mitarbeitern, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

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